Tagung der DGfE-Kommission „Schulforschung und Didaktik“

am 6. und 7. Oktober 2022

an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Vielfaltsorientierung und Diskriminierungskritik
Ansprüche und Widersprüche schulischer Bildung

 

Verlängerung Call for Poster:

Die Einreichung von Postern ist noch einmal möglich und wird im Format A0 (Hochformat) erbeten. Die Poster werden während des gesamten Tagungszeitraums für alle Tagungsteilnehmer*innen zugänglich aufgestellt. Außerdem wird es eine Postersession geben, bei der die jeweiligen Autor:innen anwesend sein sollen.
Frist zur Einreichung von Abstracts zu den Postern (auf Deutsch oder Englisch, maximal 2.000 Zeichen mit Leerzeichen) per ConfTool bis spätestens zum 15.08.2022 unter https://www.conftool.net/dgfe-diskriminierungskritik-schulforschung-2022 ein.
Sie erhalten von uns bis zum 01.09.2022 eine Rückmeldung über die Annahme des Vorschlags.

CfP als pdf

Inhaltliche Ausrichtung

Schul- und Unterrichtsforschungen belegen, dass soziale Ungleichheit und Diskriminierung alltägliche Erfahrungen von Schüler:innen, Lehrer:innen und anderen pädagogisch Tätigen darstellen. Zugleich ist es, nicht zuletzt angestoßen durch die bildungspolitischen Agenden und Programme im Kontext von Inklusion, Rassismuskritik und Geschlechtergleichstellung, zu einem allgemeinen Anspruch der Institution Schule und ihrer Strukturen und Praktiken geworden, sich als vielfaltsorientiert, heterogenitätssensibel und diskriminierungskritisch zu verstehen (vgl. etwa HRK 2015). Die Begrifflichkeiten und Perspektiven, die in diesem Anspruch und seinen Realisierungen, etwa im Rahmen von Erlassen, Curricula, Schulprogrammen, didaktischen Perspektiven und Konzepten sowie Professionalisierungsansätzen zum Ausdruck kommen, weisen allerdings darauf hin, dass noch keine ausreichende systematische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Verfasstheit von Schule und Unterricht stattfindet, die als Voraussetzung einer differenzreflexiven Schul- und Unterrichtsentwicklung im Anspruch von Diskriminierungskritik jedoch entscheidend wäre.

Auch wenn sich Schulen durchaus die Aufgabe stellen, die Teilhaberechte aller Schüler:innen zu realisieren, Benachteiligungen abzubauen und damit auch grundlegende Ideen gerechterer und demokratischer gesellschaftlicher Verhältnisse zu stärken, bleiben die institutionellen Strukturen und Praktiken von Schule und ihren Akteur:innen selbst in die Re-Produktion von Ungleichheit und Diskriminierung verstrickt.

Vor dem Hintergrund dieses Spannungsverhältnisses zwischen dem diskriminierungskritischen Anspruch der Schule mit ihren Transformationspotenzialen auf der einen Seite und ihrer Beteiligung an der Re-Produktion von Diskriminierung auf der anderen Seite soll es im Rahmen der Tagung um die Auseinandersetzung mit aktuellen differenzreflexiven und diskriminierungskritischen Zielsetzungen, Zugängen und Ansätzen auf allen für Schule relevanten Ebenen gehen, darunter programmatischen, diskursiven, strukturellen, inhaltlichen, ausbildungsbezogenen und interaktionalen:

  • Wie und auf Grundlage welcher Vorstellungen und Ansätze werden diskriminierungskritische Ziele im Rahmen bildungspolitischer Maßnahmen formuliert und welche Prozesse der Implementierung lassen sich nachzeichnen?
  • Wie und mit welchen Effekten wird Diskriminierung im Rahmen von Schulentwicklungsprozessen und curricularen Fragen thematisiert und bearbeitet, welche Leerstellen bleiben bzw. werden erzeugt?
  • Welcher Vielfaltsbegriff und/oder welche Vorstellung von Differenz/Diskriminierung (Rassismus, Sexismus, Ableismus, Klassismus, Heteronormativität…) zeigen sich an Schulen und unter den Akteur*innen (im Rahmen von Programmen, Konzepten, Praktiken usw.)?
  • Inwiefern spielt diskriminierungskritische Didaktik eine Rolle in Schule und Unterricht und welche Konzepte, Projekte und Zugänge sind relevant bzw. dominant?
  • Wie werden Schüler*innen und Lehrer*innen im Hinblick auf Diskriminierung adressiert und als Subjekte hervorgebracht?
  • Was geschieht im Rahmen von diskriminierungskritischen Lehrer:innenbildungsangeboten? Inwiefern erfolgt Diskriminierungskritik in Professionalisierungsprozessen von Lehrer:innen und anderen schulischen Akteur*innen? Welche theoretischen und konzeptionellen Bezüge lassen sich finden und wie werden Spannungsverhältnisse von Ansprüchen und Widersprüchen be- und verhandelt?
  • Inwiefern findet eine systematische Reflexion von Interaktionsprozessen, Adressierungspraktiken sowie Subjektivierungsprozessen im Rahmen schulpädagogischer Auseinandersetzungen statt?

Die Tagung lädt Kolleg:innen aus Wissenschaft und Praxis ein, über Projektideen und -ergebnisse aus laufender und abgeschlossener Forschung sowie über konzeptionelle und konkrete Erfahrungen aus der Praxis in den Austausch zu gehen. Neben Keynotes, Podiumsdiskussionen und Foren für Projektvorstellungen bietet die Tagung weitere Formate für die Vorstellung und Diskussion konkreter Workshop- und Seminarkonzepte für Schule und Lehrer:innenbildung.

Die Beiträge sollen Veränderungsdynamiken hinsichtlich einer diskriminierungskritischen Schule im Spannungsverhältnis zum Anteil der Schule an der Re-Produktion von Ungleichheit diskutieren. Dabei möchten wir nicht nur die Mitglieder der Kommission „Schulforschung und Didaktik“ sowie der Sektion „Schulpädagogik“ ansprechen, sondern ausdrücklich auch Erziehungs- und Sozialwissenschaftler:innen z. B. aus den Bereichen Interkulturelle Bildung, Inklusionsforschung, Frauen- und Geschlechterforschung, ebenso Fachdidaktiker:innen sowie Vertreter:innen der Praxis aus Schule, Schulentwicklung, Fort- und Weiterbildung, politische Bildung und zivilgesellschaftlichen Vereinen.

Tagungsformate

Nach aktuellem Planungsstand soll die Tagung als Präsenzveranstaltung stattfinden. Weitere Informationen, ob dies aufrechterhalten werden kann oder auf ein digitales Format umgestellt wird, werden rechtzeitig kommuniziert.

Beiträge zu der Tagung können in folgenden drei Formaten eingereicht werden:

  1. Poster im Format A0 (Hochformat) sind während des gesamten Tagungszeitraums für alle Tagungsteilnehmer*innen zugänglich aufgestellt. Außerdem wird es eine Postersession geben, bei der die jeweiligen Autor:innen anwesend sein sollen.
  2. Einzelvorträge zum Tagungsthema: Es werden drei Einzelbeiträge in eine Session (120 Minuten) zusammengefasst, so dass einschließlich Diskussion 35 Minuten pro Beitrag vorgesehen sind. Die Einzelvorträge sollten daher ca. 20 Minuten umfassen.
  3. Gruppenformate (120 Minuten): Die Sessions können unterschiedlich gefüllt werden. Möglich sind z. B.:
    • Symposien mit 3-4 Beiträgen für eine gemeinsame, übergreifende Diskussion
    • Forschungswerkstätten, in denen an Datenmaterial gearbeitet wird
    • Workshops/ Laboratorien

Die Gruppenformate haben wir bewusst offengehalten, um sowohl klassischen als  auch innovativen Formaten Raum zu geben. Innovative Formate sind also ausdrücklich erwünscht. Wir bitten im Abstract zu erläutern, wie Ihr Format genau konzipiert ist.

Bitte reichen Sie Abstracts zu den einzelnen Formaten auf Deutsch oder Englisch (Beiträge in englischer Sprache sind ebenfalls ausdrücklich erwünscht) per ConfTool bis spätestens zum 28.01.2022 unter https://www.conftool.net/dgfe-diskriminierungskritik-schulforschung-2022 ein. Sie erhalten von uns bis zum 31.03.2022 eine Rückmeldung über das Ergebnis des Begutachtungsprozesses.

Die Abstracts sollten für Poster und Einzelbeiträge einen Umfang von 2.000 Zeichen (mit Leerzeichen) und für Gruppenformate einschließlich – falls vorgesehen – der Einzelabstracts einen Umfang von 6.000 Zeichen nicht überschreiten.

Für weitere Fragen wenden Sie sich an tagung-diskriminierungskritik@uni-mainz.de

 

Tagungsteam: Yalız Akbaba (Mainz), Karin Bräu (Mainz), Jürgen Budde (Flensburg), Maria Hallitzky (Leipzig), Merle Hummrich (Frankfurt/M.), Florian Cristóbal Klenk (Darmstadt), Saphira Shure (Bielefeld)